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Georgia 2026, August 04 - 30

Georgien 2026, August 04 - 30

Der georgische Name des Landes ist Sakartwelo (საქართველო), die türkischen Nachbarn nennen es Gürçistan und die russischen Грузия (Gruzija) − warum kann man Namen eigentlich nicht im Original oder zumindest sprachlich nahe übernehmen?
Nun ja, zumindest hat es mir dort bei meinen vorhergehenden 3 Besuchen schon sehr gut gefallen und dieses Mal sollte es ein deutlich längerer Aufenthalt mit etwas anderem Schwerpunkt werden. Da ich die kulturellen, touristischen und städtischen Ziele schon kannte und damals von Giorgi mit viel Enthusiasmus und Detailwissen erklärt bekommen hatte, habe ich mich dieses Mal mehr auf die Landschaften und abgelegenen Regionen Georgiens fokussiert. Schon bei der Einreise aus der Türkei habe ich einen weniger gebräuchlichen Grenzübergang im Bergland des kleinen Kaukasus benutzt. Ging trotzdem eine Stunde, weil vor mir 3 vollbesetzte Land Cruiser mit Armeniern einzeln durch die Passkontrolle mussten. Aber als mich dann die Zollbeamtin mit einem freundlichen Gamardschoba begrüsste, löste dies nach den 4 Wochen unverständlichem Türkisch ein gewisses Vertrautheitsgefühl aus. Es ist nämlich eines der 3 georgischen Wörter, die ich noch von früher kannte und es klingt einfach auch nach einem Willkommen. Gar nicht so willkommen scheinen aber die türkischen LKW zu sein, die hier ihre Waren hereinbringen. Während auf türkischer Seite ein perfekter 4-spuriger Highway bis zur Grenzstation führt, geht es in Georgien auf einer in Teilen ehemals asphaltierten Schlaglochpiste weiter. Man kurvt eingehüllt in Staubwolken im Schritttempo um die tiefen und grossen Schlaglöcher herum für 30 km bis zum nächsten grösseren Ort Akhalkalaki, wo dann ein Schild der Strassenverwaltung sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt. Das war mit Abstand die schlechteste für den Warenverkehr verwendete Hauptstrasse, die ich in ganz Georgien gesehen habe. Und es sah nicht so aus, als ob an einer Verbesserung gearbeitet würde.

In Akhalkalaki angekommen habe ich mich erstmal mit den üblichen Notwendigkeiten in einem neuen Land, Bargeld und eSIM, versorgt und dann auf die Suche nach einem Autosteckdosen-Adapter gemacht. An einer Tür, die mit Car Shop angeschrieben war, habe ich gefragt. Englisch war kein Problem, aber es stellte sich als globales Export/Import-Geschäft für Fahrzeuge heraus. Nachdem ein Besuch beim Nachbarn auch erfolglos war, lud mich der Inhaber auf einen Kaffee ein und wir beide sowie seine Nichte haben uns eine Stunde lang gut unterhalten. Die Nichte machte den Eindruck, dass sie Ambitionen auf eine Weiterführung des Geschäfts hat. Sie besorgen weltweit besondere Fahrzeuge für zahlungskräftige Kunden und importieren sie dann im Zielland. Da ich ja auch schon 5 Fahrzeuge selbst importiert habe, gab es ein erstes gemeinsames Gesprächsthema. Die Schweiz ist ihnen übrigens zu kompliziert, weshalb sie hier keine Importe machen. Es stellte sich auch heraus, dass sie Armenier sind und in diesem Teil Georgiens überwiegend Armenier leben. Man sieht auch recht viele armenische Kennzeichen und auch mein erster Gastgeber war ein Armenier mit sehr guten Deutschkenntnissen, der ein Hotel betreibt und die Parkplätze im Innenhof auch für Wohnmobile anbietet − für 10€ in bar. Überhaupt ist der Euro in Georgien durchaus ein gängiges Zahlungsmittel. Auch sonst muss er recht geschäftstüchtig sein. Immer wieder kam jemand vorbei und hat mit ihm in der Gartenlaube auf armenisch diskutiert.

In der Nähe liegt Vardzia, eine riesige Höhlenanlage und Königstadt der in Georgien verehrten Königin Tamar aus dem 12. Jahrhundert. Die andere historische Kultfigur in Georgien ist Nino, die das Christentum aus Griechenland in den Kaukasus gebracht hatte. Auf Tamar und Nino trifft man in Georgien immer wieder. Da ich schon vor einigen Jahren ausgiebig durch diese Höhlenstadt geklettert war, habe ich diesmal einen anderen Ansatz gewählt und bin in der gegenüberliegenden Bergwand die Serpentinen hochgefahren für eine neue Perspektive auf die Anlage und dieses Tal des Mtkvari, des längsten Flusses Georgiens, dessen Name auch schön die etwas schwierige Aussprache des Georgischen zeigt. Weitergefahren bin ich nach einer Übernachtung am Ufer des Paravani-Sees über die als Schutzgebiet ausgewiesene vulkanische Hochebene Javakhetiens vom flächenmässig grössten See Georgien's zum volumenmässig grössten, dem Tavkvetili-See. Beide liegen auf ca. 2000m Höhe und das ganze Hochplateau wird auch Sibirien Georgien's genannt, da die Winter dort sehr kalt und schneereich sind. Jetzt im August war es wunderbar angenehm. Während ich am Paravani meinen Nachtplatz einrichtete, kamen Vater und Sohn aus dem nahen Dorf, ebenfalls Armenier, um bei windigen 15°C ein abendliches Bad im See zu nehmen, was sie wohl über den Sommer regelmässig tun. Im Winter ist das Ufer gar nicht mehr erreichbar und der See zugefroren. Die Hochebene ist eine weite, grasbewachsene, eher sanft rollende Landschaft und wirkt sehr beruhigend beim langsamen Hindurchfahren. Ganz so einsam ist es aber nicht. Es gibt ab und zu Gegenverkehr und einmal blockierte ein Sattelzug, in den gerade eine Schafherde verladen wurde, den Weg. Mir wurde angedeutet, über die Wiese drum herum zu fahren, man hat ja schliesslich ein off-road Fahrzeug.

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